Hallo,
am Donnerstag den 08.06.2006 bin ich mit einer Piper PA28-180 nach Wangerooge geflogen.
Da dieser Flug vom Routing her ganz interessant ist, und der eine oder andere diesen Flug vielleicht mal im Flugsimulator nachfliegen möchte, habe ich mir überlegt einen kleinen Bericht über diesen Real-Flug zu schrieben.
Vielleicht vorher ein paar Worte zum Flugzeug.
Wie oben schon erwähnt handelt es sich um eine Piper PA 28-180.
Dieses Flugzeug gehört bei uns zur Vereinsflotte.
Diese Maschine ist mir richtig ans Herz gewachsen, mit ihr habe ich mein Solo-Dreieck und mein Prüfungsflug gemacht. (Hallo Jörg, eine TB 9/10 könnte mir natürlich auch ans Herz wachsen)
Jedenfalls ist die Pa 28-180 in den Bereichen Handling, Power und Komfort schon ganz ordentlich.
Hier mal ein paar Daten:
Leistung maximal 180 PS bei 2500 RPM
Reisegeschwindigkeit ca. 110 Knoten
Sitzplätze 4
Reichweite ca. 500 Nautische Meilen
…und hier ein Foto. Aufgenommen am Tage meines Überprüfungsfluges zum Lizenz-Erhalt. Übrigens der nette Herr der mich hier an die Tankstelle erwartet ist Sascha (Jetman).

Ein schöner Flieger, nech!
OK, zurück zum Wangerooge-Flug.
Da so ein Flug allein ja nicht soviel Spaß macht und meine Frau aufgrund einer Verletzung nicht mitfliegen konnte, habe ich mich am 08.06.2006 morgens um 10:00 bei uns auf dem Vereinsflugplatz Celle /Arloh EDVC mit einem Vereinskameraden getroffen. Dieser Vereinskamerad ist auch zugleich unser Flugbetriebsleiter, Kunstflieger und pensionierter Jetpilot der Bundeswehr. Ein wirklich super netter Kerl ! (Hallo Frank)
Während Frank so nett war und noch etwas Motoroel nachfüllte, machte ich den Rest des Preflight-Check´s.
Nachddem wir es uns im Flieger bequem gemacht hatten und ich das „Büro“ eingerichtete habe, gingen wir das Routing durch.
Die Frage war, ob die ED-R 31 in Fassberg aktiv ist oder nicht. Denn dort ging der direkte Track durch. Aus diesem Grund berechnete ich eine Haupt- und eine Alternativroute.
Aber dass wollte ich nach dem Start bei Bremen Information erfragen.
Frank, der auf diesem Flug als Copilot und Kameramann fungierte, stärkte sich noch mal mit einer Banane.
Nachdem ich die „Before Enginestart“ Checkliste durchgegangen bin und den Motor angelassen habe, taxelten wir auf dem Rollweg zur Piste 22.
Am Rollhalt angekommen begann ich gleich mit dem Runup. Alles zu prüfenden Parameter waren bestens. Dann Meldung über Funk, ein kurzer Blick in den Anflugbereich und los ging´s. Da wir nicht ganz vollgetankt hatten, und auch nur 2 Personen an Bord waren, war es absolut kein Problem den Flieger vom Boden wegzubekommen. Einen Moment im Bodeneffekt verweilt, und dann ging es mit 80 Kt in den Climb.
Nachdem wir nun die Platzrunde verlassen hatten, und die Piper brav auf unsere Cruising-Altitude kletterte, rief ich Bremen Information auf 119,825 MHz.
Vom Controller bekam ich die Info dass die ED-R aktiv ist. Nagut, also Plan B. Von meiner derzeitigen Position die inzwischen bei etwa 2 Nm NW von EDVC lag, drehte ich auf mwSk 273°, zu dem Punkt an dem sich die Autobahn 7 und der Fluss Aller kreuzen. Nach etwa 9 Min hatten wir diesen Waypoint erreicht. Von hier aus ging es auf dem mwSk 323° weiter nach Hodenhagen EDVH. Nach weiteren 4 Minuten befanden wir uns in 2800 ft genau über EDVH. Jetzt ging es auf dem mwSk 357° in Richtung der Ortschaft Visselhövede, denn etwa 1 Nm S von diesem Ort wollte ich das Radial 132° vom VOR Weser anschneiden und auf diesem Inbound zum VOR bleiben. Nach etwa 7 Minuten lag der Marker der NAV 1 Anzeige genau mittig, und ich drehte nach links und folgte dem Radial. Nach einem kurzen Blick über sämtliche Instrumente , die alle im Norm-Bereich waren, suchte ich wieder den Himmel nach anderen Fliegern ab, weil an diesem Tag aufgrund des Wetters einiges im Luftraum los war.
Vielleicht noch ein paar Worte zum Wetter.
Aufgrund des zur Zeit herrschenden Hochdruckgebietes hatten wir eine Inversionsschicht, die wie ein Deckel über Norddeutschland lag.
Den Wind habe ich für unsere Flughöhe mit 8 kt aus 325° berechnet. Das kam auch ganz gut hin. Jedenfalls lag ich mit meiner errechneten Groundspeed etwa 2-3 Kt über der Groundspeed die mir das GPS anzeigte. Und damit kann man zufrieden sein.
Es war streckenweise ganz schön ruppig durch die Blauthermik. Ich denke mal die einen oder anderen die selber real fliegen, wissen wie unangenehm eine heftige Blauthermik sein kann. Naja, hielt sich aber noch in Grenzen. Die Sicht war bis zum Anschlag.
Nachdem ich das Radial 132° Inbound Weser VOR aufgenommen habe, dauerte es etwa 20 Minuten bis wir schließlich das Weser VOR erreichten.
Nachdem die VOR-Anzeige von TO auf FROM wechselte ging es weiter auf dem Radial 308° Outbound VOR Weser. Unser Track genau nach Wangerooge. So, jetzt hatten wir noch 43 Nm vor uns. Unter uns erhob sich inzwischen der Luftraum F von Bremerhaven bis auf 1700 ft GND, den wir in einer Höhe von 2800 ft überquerten. Eine schöne Sicht hatten wir auf Bremerhaven, auf den Jade-Busen und auf Nordenham. Wangerooge präsentierte sich auch schon am Horizont.
Jetzt war es langsam an der Zeit schon mal die Info-Frequenz 122,400 MHz von Wangerooge auf Standby zu rasten, und das Anflugblatt parat zu haben. Dieses sollte man sich aber schon mal zu Hause ansehen, und nicht erst im Anflug. Nur so als Tipp.
Die Platzrunde von Wangerooge befindet sich S des Platzes in 800 ft. Hier sind sehr gute Fixpunkte an denen man sich orientieren kann um die Platzrunde sauber zu fliegen.
Inzwischen hatte ich mich bei Bremen Information abgemeldet und Wooge Info gerufen.
Ein sehr netter Flugleiter gab mir die Landeinformation. Piste 28 war momentan aktiv.
In Höhe der Insel Alte Mellum, die übrigens in der ICAO-Karte mit einem Vogelschutzgebiet versehen ist, drehte ich auf westlichen Kurs und folgte zunächst der Küstenlinie in Richtung Harle EDXP. Jetzt begann ich auch mit den Descent-Check´s. Vergaservorwärmung an, Kraftstoffpumpe an und Mixer auf voll reich.
Und so ging es abwärts mit etwa 500-700 ft/m. Nachdem ich mich genau S von Wangerooge befand, drehte ich auf Nordkurs in Richtung des Gegenanfluges. Inzwischen erreichten wir auch unsere 800 ft. Noch mal ein kurzer Blick auf das Anflugblatt, und dann flog ich in die Platzrunde ein. Am Ende des Gegenanfluges setzte ich die erste Klappenstufe und hatte auch inzwischen meine Speed auf 90 Kt reduziert. Weiter ging es durch den Queranflug bis ich letztlich ins Endteil eindrehte. Sofort nach dem Ausleiten der letzten Kurve, setzte ich gleich Flaps-Full, und reduzierte die Speed auf 66 Kt. Bei dieser Speed sollte man bei ruhigem Wetter auch unbedingt bleiben. Beträgt die Anfluggeschwindigkeit etwa 70 Kt oder mehr, dann wird man überrascht sein wie lange man nach dem Abfangbogen noch über der Piste segelt bis sie sich endlich hinsetzt. Ich spreche da aus Erfahrung. Wenn es wirklich auf einen genauen Landepunkt ankommt, wie z.B. auf Helgoland, dann sollte man diese 66 Kt auf jeden Fall nicht überschreiten, ansonsten segelt die Piper noch eine ganze Weile bis die Speed komplett ausgeflogen ist. Das kann auf manchen Pisten unerwünschte Folgen haben. Wenn es natürlich ordentlich pustet oder es extrem bockig ist, dann muss man ganz klar mit einer etwas höheren Speed anfliegen.
So, aber da es an diesem Tag relativ ruhig war, brachte ich die Piper mit den 66 Kt runter bis ich fast über der Piste war. Kurz vor dem Überflug der Kante nahm ich das Gas vollständig raus, brachte die Piper behutsam an die Piste ran und nahm die Nase hoch um meine Speed abzubauen. Nach wenigen Metern setzte sie sich sauber auf die 28. Nach knapp über einer Stunde Flug berührten die Räder der Piper den Boden dieser schönen Nordseeinsel.
Am Ende der Bahn ging es über den Taxiway zum Parkplatz, auf dem sich schon einige andere Flieger eingereiht hatten. Aufgrund der Mittagsruhe durften wir erst wieder um 15:00 Uhr starten. Somit hatten wir genügend Zeit um uns die Strandpromenade und den Ort anzusehen. Natürlich haben wir uns auch mächtig die Bäuche mit den kulinarischen Köstlichkeiten der Insel vollgehauen. Gegen 16:00 Uhr verabschiedeten wir uns von Wangerooge und starteten wieder Richtung Heimat.
Kurzum, ein Flug nach Wangeroode lohnt sich auf jeden Fall. Real oder auch virtuell.
So, und hier ein paar Bilder zum Routing
Hier noch ein paar Bildchen von den Stunden auf Wangerooge
Gruß
Maik